Diskurse der Ökologie
| What | Meeting Work |
|---|---|
| When |
Feb 15, 2008 from 02:00 pm to 06:00 pm |
| Where | Köln, DE |
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Workshop von Ch. Neubert, G. Schabacher und L. Scholz
Vergiftung, Verschmutzung und Genmanipulation, Ressourcenschwund und
Überbevölkerung, Naturkatastrophen und Klimawandel: Ökologische
Krisenszenarien stellen eine besondere Herausforderung dar, denn sie
scheinen gesellschaftliche Aushandlungsprozesse, zumal im globalen Maßstab,
prinzipiell zu überfordern. Trotz eines medial gesteigerten
'Umweltbewusstseins' sind keine politischen, moralischen oder
wissenschaftlich-technischen Regulative in Sicht, welche die Gesellschaft
wirksam daran hindern, sich im Umweg über ihre Umweltwirkungen selbst zu
beschädigen.
Genau bei diesem Dilemma setzen aktuelle Diskurse der Ökologie an, die der
Workshop diskutieren will. Mit den wissenssoziologischen Studien Latours und
dem systemtheoretischen Instrumentarium Luhmanns sollen dabei zwei
theoretische Settings in den Vordergrund gestellt werden, die das Problem
der Ökologie in fundamentaler Weise auf die Unterscheidung zwischen Natur
und Gesellschaft selbst zurückführen.
Latours Programm einer politischen Ökologie analysiert die Mechanismen der
neuzeitlichen Trennung zwischen den Belangen von Politik und Natur, die auf
ihrer Rückseite eine prekäre Vermischung der beiden Register produziert. Die
ökologische Krise erscheint hier als Resultat der unkontrollierten
Ausbreitung von sozionaturalen Hybriden, die sich der
naturwissenschaftlichen wie auch der politischen Rationalität entziehen.
Luhmanns Theorie konstruiert Gesellschaft nicht als Einheit, sondern in
ihrer Differenz zur Umwelt. Da soziale Systeme aus Kommunikation bestehen
und operativ geschlossen sind, können sie nicht in ihrer Umwelt handeln,
sondern nur in Form der Resonanz reagieren. Ökologische Veränderungen können
deshalb die moderne Gesellschaft nur als Rauschen, Irritation oder
funktional unspezifische 'Angstkommunikation' heimsuchen.
Mit den eingeladenen Gästen Melanie Reddig (Heinrich-Heine-Universität
Düsseldorf) und Andreas Ziemann (Bauhaus-Universität Weimar) wird zu
diskutieren sein, welche Perspektiven diese Ansätze für Theorie und Politik
der Umwelt bieten: Wie sind die Begriffe von 'Gesellschaft', 'Kultur'
einerseits, 'Natur' und 'Umwelt' andererseits jeweils zu bestimmen und zu
relationieren? Sind Diskurse der Ökologie notwendig Krisendiskurse? Wie
lässt sich die wechselseitige Bezogenheit konstruktivistischer und
realistischer Konzepte von Natur- und Sozialwelt historisch fassen?
Cornelia Partsch M.A.
Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg
" Medien und kulturelle Kommunikation"
Veranstaltungskoordination
SFB/ FK 427- Universität zu Köln
Bernhard-Feilchenfeld-Str. 11
50969 Köln
Tel: 0221/ 4706527
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