Steuerung durch Normen oder Moral?
| What | Lecture |
|---|---|
| When |
Jul 04, 2007 from 07:00 pm to 10:00 pm |
| Where | Wolfsburg, DE |
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Ein Vortragsabend mit anschließender Diskussionen aus der Veranstaltungsreihe "Geist und Gehirn"
19.00 Uhr
Brain-Sound - der Klang des Denkens. Martin SCHÖNE, Künstler
Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig
19.30 Uhr
Begrüßung: Susanne KORB, Leiterin der Stadtbibliothek Wolfsburg
19.35 Uhr
Einführung: Dr. Stefan WOLF, AutoUni Wolfsburg
19.40 Uhr
Formen von Wettbewerb und Partnerschaft in der Weltgeschichte:
Reichsprüfungssystem und Staatenkonkurrenz.
Prof. Dr. Hans-Heinrich NOLTE, Leibniz-Universität Hannover
20.20 Uhr
Das suspendierte Gewissen: Korruption in der globalisierten Wirtschaft.
Prof. Dr. Hartmut HEUERMANN, TU Braunschweig
21.00 Uhr
Diskussion. Moderation: Prof. Dr. Dr. h.c. Peter MEYER-DOHM
Vorstand der International Partnership Initiative, Wolfsburg
Globalisierung. Hans-Heinrich Nolte: Das Spannungsverhältnis zwischen Wettbe-werb und Partnerschaft wurde in unterschiedlichen Gesellschaften verschieden aus-geprägt. Bei vielen Stämmen wird durch den Wert der Geschenke, die jemand macht, der Häuptling bestimmt (Potlatsch bei nordwestamerikanischen Indianern).
Im chinesischen Imperium sorgte ein ausgefeiltes, mehrstufiges Prüfungssystem dafür, dass einzelne Intellektuelle sowohl ihren Ehrgeiz gegeneinander ausleben als die Normen der chinesischen Kultur lernen konnten. In Europa fand ein beträchtlicher Teil der Konkurrenz in kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den (aus chinesischer Sicht) kleinen Staaten Ausdruck, andererseits aber bildeten diese Staaten ein System, das durch gemeinsame Kenntnisse und Moralvorstellungen sowie Zusammenarbeit gegen nichteuropäische Mächte geprägt war.
Wirtschaft. Hartmut Heuermann: Der „Geist des abendländischen Kapitalismus“, vorgestellt als ein kollektives Bewusstsein, betrachtete Wohlstand als Ertrag der Arbeit und hielt wirtschaftlichen Profit für gerechtfertigt. Ökonomisches Handeln war an ethische Grundsätze und gesellschaftlichen Nutzen gebunden, Eigennutz ohne Gemeinnutz war verpönt. Das Kapital sollte der Verbesserung des Lebens dienen.
Der heutige „Raubtierkapitalismus“ ist krank, die Symptome zeigen sich im Manipulieren, Schmieren, Tricksen, Schönfärben, Vertuschen und Veruntreuen. Die dramatischen Folgen galoppierender Wirtschaftsskandale und Korruptionsaffären gehen nicht auf fachliche Inkompetenz oder Missmanagement zurück, sondern auf geistige und moralische Defizite der Wirtschaftsführer, die das Maß für angemessene Mittel verloren haben. Das Prinzip der Verantwortung gerät ihnen zu Selbstherrlichkeit und Skrupellosigkeit. Korrumpierbarkeit resultiert aus mangelnder Widerstandskraft gegen die Verlockungen des Geldes, der Macht oder der Lust.
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